Das Rauschen der Städte

Myriaden an Fotos zeigen, wie jedes Eck einer Stadt aussieht. Doch wie klingt die Stadt? Dem sind Schüler aus Warschau und Backnang nachgegangen. Sie haben eine interaktive Hörkarte für Stuttgart erstellt. Diesen Samstag stellen sie ihr Projekt „Das Rauschen der Städte“ im Theater Rampe vor. Vielleicht inspiriert uns das ja dazu, den Klang von 70180 zu dokumentieren.

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Projektbeschreibung:

Im Rahmen dieses intermedialen und interkulturellen Projekts präsentieren Schülerinnen und Schüler aus Backnang und Warschau ihr Arbeitsergebnis. Im Rahmen eines Workshops wurde eine interaktive Hörkarte für Stuttgart erstellt. Grundlage hierfür sind Geräusche und Alltagsklänge der Stadt. Durch die Klangkompositionen, die man über das Smartphone an verschiedenen Orten in Stuttgart hören kann, nimmt man bekannte Orte neu und anders wahr.


Samstag, 16. April, 18 Uhr
Theater Rampe
Filderstraße 47
70180 Stuttgart

Eintritt frei

theaterrampe.de/stuecke/das-rauschen-der-staedte

das-rauschen-der-staedte.tumblr.com

(Foto: Das Rauschen der Städte, Illustration: Jedrzej Golecki)

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Fetzen zum Schmachten


Die coolen Ladies hängen gerahmt an der Wand: Rita Hayworth, Marlene Dietrich, Greta Garbo. Sie erzählen aus einer Zeit des Glamour und der Eleganz. Als die Mode noch das Weibliche betonte, „das Kleid“ das wichtigste Kleidungsstück einer Frau war.

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Schmachtfetzen heißt Johanna Hellmichs Laden in der Stuttgarter Wilhelmstraße. Man denkt bei dem Wort sofort an ein wohliges Seufzen. Und tatsächlich, hier, an drei Meter Regalstangen in einem 17 Quadratmeter großen Raum, hängen sie alle: Das kleine enge Schwarze. Das aufreizende Rote. Das verspielt-brave, knielange Blaue mit dem Matrosenkragen. Das glamourös Geblümte mit dem weiten Rock. Die Marlene-Hose. Das zart Gehäkelte mit der Schleife. Weibliche Kurven betonen sie alle. „Ich finde es selbst schön, modisch mit meiner Weiblichkeit zu spielen“, sagt Johanna. „Und ich erlebe es an meinen Kundinnen: So ein Kleid macht etwas mit einer Frau“.

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Vintage oder Retro – es geht um die Mode der 30er bis 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Und zu ihr hat die 32-Jährige eine besondere Nähe: Als Raunchy Rita tanzt sie auf Burlesque-Events und veranstaltet sie unter dem Namen Raunchy Rita’s Raspberry Club auch selbst, das nächste am 23. April in der Rosenau. Zu den Shows kommen die Gäste immer aufwendig und außergewöhnlich gekleidet, auch mal mit Federboa und im Glitzerhemd. Und oft ging es um die Frage: wo bekomme ich schöne Vintage-Mode her. Das brachte die gebürtige Augsburgerin auf die Idee mit dem Laden.

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Zuvor hatte sie für das Stuttgarter Ballett die Pressearbeit gemacht. Zu jedem schönen Kleid gehören die passenden Accessoires. Pumps mit Schnallen, Dekor und halbhohen Absätzen. Broschen, Armreifen, Ketten aus den 50ern. Gürtel. Taschen oder „Fascinators“, verspielt-versponnene Hingucker zum In-die-Haare-stecken. „Man muss das alles nicht so ernst nehmen“, sagt Johanna Hellmich. Mit Ironie zu spielen hat für sie viel mit Selbstbewusstsein zu tun. Und genau das möchte sie ihren Kunden weitergeben. Ihre Ware bezieht sie von kleinen, meist deutschen Labels: „Sodass meine Kundinnen bei mir fast Unikate bekommen“. Und dabei geht es nicht nur um das Kleid für einen festlichen Anlass. „Frauen wollen sich feminin kleiden, mindestens ein geschmackvolles Kleid im Schrank haben“. Johanna Hellmich wohnt auch im Viertel. „Die Heusteig-Viertel-Leute sind stolz auf ihren Kiez“, sagt sie. Hier hält man zusammen. Und hier hat es ihr sofort gefallen. „Ich habe gleich gewusst: ‚Hier hätte ich gerne meinen Laden‘“.

Text: Eva Heer • Foto: Martin Zentner

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Schmachten im Netz:

Schmachtfetzen

Raspberry Club

Auf Facebook:

Johanna Hellmich als Raunchy Rita

Raspberry Club

Schmachtfetzen

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Schmachtfetzen

Mittwoch – Freitag:   12 – 19 Uhr
Samstag:   11 – 16 Uhr

Wilhelmstr. 8b
(Eingang Heusteigstraße)
70182* Stuttgart
0711 – 94581064

* Der Laden ist in der Heusteigstraße gelegen, wird aber zur Wilhelmsstraße gezählt. Somit ist er gefühlte 70180 und wir sollten uns dafür einsetzen, dass er eine angemessene Adresse bekommt!


Und das passiert im Raspberry Club:

We love Burlesque! … in Raunchy Rita’s Raspberry Club from Raunchy Rita on Vimeo.

 

Neues Leben für altes Holz

In einer schummrigen Hinterhofwerksatt werkeln Jeanette und Stefan. Um sie herum: Flohmarktfundstücke und viel Holz. Gemeinsam haben sie den Raum in der Heusteigstraße seit August letzten Jahres gemietet, um ihren Leidenschaften nachzugehen. Und um die Ergebnisse zu verkaufen.

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Jeanette Brauer liebt Flohmärkte. Ihre Fundstücke bereitet sie auf und verpasst ihnen einen neuen Anstrich. „Der Mischmasch machts von neu und alt“, erzählt Jeanette. Der Name ihrer Manufaktur „Vinly“ ist eine Mischung aus Vintage und lovely. Für ihre Leidenschaft hat sie ihren Job als Projektmanagerin bei einer Werbeagentur auf Teilzeit reduziert.

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Stefan Küpers liebt Holz. Und davon steht hier eine Menge rum – in Form von dicken Brettern, direkt aus dem Baum geschnitten, sodass man die Form des Baumes noch erkennen kann. Daraus fertigt er Tische, denen man den Wald noch ansehen kann, aus dem sie kommen. Sie verkauft er unter dem Namen Teburu. Das ist Japanisch und heißt: Tisch.

Wenn er nicht Tische baut, verkauft er auch Holz: Er betreibt einen Onlinehandel für Zedernholz-Schuheinlagen, die gut fürs Klima sind. Das Klima im Schuh.

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Das die beiden Stuttgart-Westler zu uns ins Viertel gefunden haben, ist Zufall. Ein guter Zufall. „Hier fühlt man sich echt zuhause“, sagt Jeanette, „Die Leute hier sind interessiert und neugierig“.

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Diesen Samstag veranstaltet Vinly eine Frühlingsausstellung in der Werkstatt. Schaut von 10 bis 18 Uhr vorbei und lernt die beiden kennen!

Samstag, 9. April, Heusteigstraße 108

Frühlingsausstellung

Frühlingsausstellung auf Facebook

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Mehr über Vinly: Artikel in der Stuttgarter Zeitung

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Walnuss- und Kirschbäume in geschnittener Form.
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Inspiriert von der Werkstattkollegin: Tisch mit Beinen einer alten Nähmaschine

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Vinly, Jeanette Brauer, info@vinly.de

Teburu, Stefan Küpers, hallo@teburu.de

Heusteigstraße 108, 70180 Stuttgart

Die Werkstatt kann man Freitags und nach Vereinbarung an anderen Tagen besuchen.


 

Stachlicher Laden

Sieht aus wie ein Kakteenladen, ist aber viel mehr: Für vier Monate inszeniert die Designerin Miriam Köpf Pflanzen im Raum. 

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Auf dem schmalen Trottoir der Heusteigstraße drängen sich die Menschen. Es gibt kein Freibier. Es gibt Kakteen – wunderschön inszeniert von Miriam Köpf in einem winzigen Ladenlokal. „Ich will ja kein Pflanzenladen sein“, sagt die Designerin, die den Raum für vier Monate zur Zwischenmiete nutzt, um jeden Monat einer anderen Pflanzengattung Raum zu geben, „ich will mich ausleben“. Und dabei zeigen, was sie kann: Ihre Spezialität sind Raumkonzepte. Und diese funktionieren besonders gut, wenn etwas Lebendiges dabei ist. Das zeigt sie in ihrem Laden „Phyllis – temporary plant thing“.

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Die gesamte Einrichtung des Raumes wurde auf die Kakteen und Sukkulenten abgestimmt: Wandfarbe, Blumentöpfe, Blumenkästen. Obwohl für Miriam Aquise und Netzwerken im Vordergrund steht, kann man die Kakteen auch kaufen. Von Donnerstag bis Samstag. An den anderen Tagen ist sie in ihrem Büro am Südheimer Platz. Das Viertel, in dem sie seit acht Jahren lebt, sei ein guter Ort für ihren Showroom, sagt Miriam. Die Leute hier seien aufgeschlossen, kreativ und durstig nach Neuem.

Miriam Köpf
Miriam Köpf hat eine Spleen für Pflanzen.

Jeder Monat hat sein eigenes Motto. Im Kakteenfall: Dusty Spring. Wir sind mal auf die Orchideen gespannt.


April

Kaktus – Dusty Spring
Eröffnung: Donnerstag, 31. März 2016

Mai
Orchidee – Plant Punch
Eröffnung: Mittwoch, 04. Mai 2016

Juni
Farn – Swing Low
Eröffnung: Donnerstag, 02. Juni 2016

Juli
Begonie – Ambrosial Room
Eröffnung: Donnerstag, 30. Juni 2016

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Phyllis auf Facebook

Miriam Köpf

Artikel aus der schönen Zeitschrift Plot

Artikel mit vielen Bildern von der Eröffnung aus der Stuttgarter Zeitung

Bier

Gedrucktes von Paperness

Pflanzen mit Tanja Schäfer von Grün auf Zeit

Essen für die Events von Karin Künkele

Farben in Unterstützung von Farben Heim

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Passende Literatur gibt’s von Paperness, die außergewöhnliche Zeitschriften zusammenstellen.

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Craftbier
Passend zum Publikum: Bier von Ridmueller Craft Beer

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Andreas Vogel
Andreas Vogel beschallt das Viertel mit Musik, die zur Anlage passt.

Phyllis – temporary plant thing

Heusteigstraße 59
70180 Stuttgart

phyllis@miriamkoepf.de

Öffnungszeiten:
Donnerstag, Freitag: 12:00 – 20:00
Samstag: 10:00 – 14:00

Turmbau zu 70180

Musste dem neuen Internet-Turm weichen: Das katholische Pfarramt St. Maria und der Kindergarten.
Musste dem neuen Internet-Turm weichen: Das katholische Pfarramt St. Maria und der Kindergarten. Im Hintergrund poplig und klein: Der betagte Fernsehturm. (Foto: Eva Heer)

Stuttgart – Pionierstadt des Kommunikationsturmes. Der 1956 eröffnete Fernsehturm* war der erste seiner Art. 60 Jahre später setzen wir nun wieder einen Meilenstein der Kommunikationsarchitektur: Den ersten Internet-Turm der Welt!

Der Turm wird mitten in 70180 Stuttgart errichtet. Kein Wunder: Die Dichte der Irgendwasmitmedienschaffenden ist hier besonders hoch. Leider musste dafür das Katholische Pfarramt St. Maria mitsamt Kindergarten weichen. Es steht zu hoffen, dass ein neuer Kindergarten im Turmkorb Platz finden wird.

Nettes Detail: Die Inspiration für die Gestaltung des gemächlich rotierenden Turmkorbs fand Architekt Jonas Plözke beim Mittagessen bei Alaturka in der Olgastraße. Der geplante Turm babylonischen Ausmaßes wird trotz seiner Kessellage den höher gelegenen Fernsehturm überragen. Die Grundsteinlegung soll am 1. Juli 2016 stattfinden und mit der Fertigstellung wird ca. 6 Jahre vor der Eröffnung von Stuttgart 21 gerechnet. Von diesem Großwahnprojekt hat man einige Lektionen gelernt: Es wird keine Kostenschätzung erstellt. Also kann man diese auch nicht überschreiten.


* Für die Jüngeren unter uns: Der Turm heißt nicht so, weil man von ihm in die Ferne sehen kann. Fernsehen ist so eine Art YouTube, bei dem man eine begrenzte Anzahl an Kanälen hat, die unkontrollierbar vor sich hinlaufen.