Dampfende Magie

Kevin Okolowski steht seit fast 20 Jahren hinter der Theke des Café Herbert’z und versorgt das Viertel mit Koffein. Wir haben ihn besucht. 

Kevin lacht. Und tratscht. Mit den Gästen, die sich um die Theke drängen und ihren Morgenkaffee trinken. Den macht Kevin nebenbei. „Lach in den Tag, dann lacht er zurück“, sagt der 33-Jährige, der hier hinter der Theke steht, seit er 14 ist. Sein Vater Herbert hatte das Café Anfang der Neunziger an der Ecke Immenhofer Straße und Mozartstraße eröffnet, als das Viertel noch einiges rauer war. Seit dem hat sich drinnen nicht viel geändert. Heute gibt es auch ein paar Sitzplätze, aber das Leben spielt sich an den Stehtischen ab. Hier treffen sich jeden Morgen die Stammgäste auf dem Weg zur Arbeit. Handwerker, Geschäftsführer, Kreative – beim Kaffee sind sie alle gleich. Wer neu ins Viertel kommt, lernt hier schnell Leute kennen. Oder kann sich in Ruhe hinter der Tageszeitung verstecken. „Jeder nimmt hier das mit, was er will“, sagt Kevin.

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Wäre Kevin ein Oktopuss, könnte er noch schneller Kaffee kochen.

Morgens um halb sechs ist Kevin noch allein im Laden, über dem er wohnt. Er schiebt die Brezeln und Brötchen in den Ofen. Wenn er um sieben das Herbert’z öffnet, kommen die Leute und drängen sich um das Zentrum des Cafés: ein bronzenes Ungetüm, einem Steampunk-R2D2 gleich. „Die Kaffeemaschine ist die Magie des Ladens“, sagt der Barista. Leider ist der fast schon antiken Elektra Belle Epoque die Magie ausgegangen – sie wird derzeit grundüberholt. An ihrer Stelle steht ein Fremdkörper: ein knallroter Kasten, der an einen verunglückten Lamborghini erinnert. Das Ersatzgerät macht ordentlich Dampf, von dem man sich wünscht, er verhülle den Blick darauf. Die Stammgäste sind irritiert. Sie fragen besorgt nach dem Wohlergehen ihrer geliebten Maschine.

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Kevin Okolowski wohnt über dem Café

Wenn Kevin nicht hinter seiner Theke steht, spielt er gerne Gitarre und singt. Manchmal auch für Gäste im Café. Seine Lieblingsorte im Viertel sind der Fangelsbachfriedhof und das Rondell am Mozartplätzle, wo er als Jugendlicher gerne mal mit seinen Kumpels ein zwei drei Bier getrunken hat.

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Übrigens: Gründer Herbert ist nur noch im Namen des Cafés zu finden. Das Geschäft führt heute Kevins Zwillingsbruder Kim. Am Wochenende arbeiten hier deren Halbschwester und ihre beiden Söhne.

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Und nochmal übrigens: Ab und zu gibt es abends Konzerte im Herbert’z. Wir haben unlängst darüber berichtet: Zum Artikel

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Seit letztem Jahr kann man sich im Herbert’z auch betrinken

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Produktdesign from hell: Die Ersatzkaffeemaschine.
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Viele Wohnungssuchen, wenige Angebote: Das schwarze Brett des Viertels.
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Kevin hat Spaß bei der Arbeit

Herbert’z auf Facebook

Café Herbert´z
Immenhoferstraße 13
70180 Stuttgart

mail@cafe-herbertz.de

+49 (0)711 88 84 566

Fotos: Martin Zentner

Marleys Revier

Micha kennt seine Kundschaft. „Ich verbinde jedes Gesicht mit einer Zigarettenmarke“, sagt er. Manchmal errät er schon die Zigarettenmarke, wenn ein Kunde das erste Mal den Laden betritt. Nicht jeder, der in Michas Lädle kommt, raucht. Viele holen sich morgens ihre Zeitung, Kinder kaufen ihre Schulsachen. Aber das Herzstück des Ladens ist das Zigarettenregal. Micha hat es so von seinem Vorgänger Fred übernommen, der den Laden 31 Jahre lang geführt hat. „Ich habe mich ganz bewusst dafür entschieden, nichts zu verändern“, sagt Micha. Auch wenn ihm die Zigarettenhersteller schon todschicke Designregale andrehen wollten. So treu wie er der Ladeneinrichtung geblieben ist, sind Freds Kunden dem Laden geblieben.

Marley
Hat das Viertel im Blick: Labrador Marley

Vor sechs Jahren haben Micha und Marley, der damals erst ein dreiviertel Jahr alt war, den Laden übernommen. „Eigentlich ist es Marleys Laden. Ich mache den Verkauf“, sagt Micha. Marley ist sein schwarzer Labrador. Und der weiß ganz genau, wann die Schulkinder kommen, die mit ihm spielen möchten. Und wie die Sonne entlang der Heusteigstraße wandert, damit er sich in ihre Strahlen aufs Trottoir legen kann.

Marley liebt die Sonne. (Foto: Micha Schmidt)
Marley liebt die Sonne. (Foto: Micha Schmidt)

Michas Lädle ist mehr als ein Kiosk, die Bank vor seiner Ladentür ein Treffpunkt im Viertel. Hier trinkt man auch mal ein Feierabendbier, redet, lernt sich kennen. 

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Das Herzstück des Ladens: das Zigarettenregal

In Michas Regalen liegen neben dem üblichen Zeitschriften-Sortiment auch Titel, die man sonst nirgendwo findet. Manche von ihnen vertreibt ausschließlich er. Kein Wunder, unter seinen Kunden gibt es einige, die selbst Zeitschriften machen und ihm vorbei bringen. Die unzähligen Designer, die im Viertel ihr Büro haben, versorgen sich dort mit Lesestoff.

Exotische Ware: Einige der Titel im Lädle stammen aus dem Viertel oder aus der ganzen Welt.
Exotische Ware: Einige der Titel im Lädle stammen aus dem Viertel, andere aus der ganzen Welt.

Micha hat noch einen zweiten Laden, in Gaisburg, zusammen mit seiner Frau, ist aber in Fellbach zuhause. Im Heusteig-Viertel ist der 38-Jährige eine Institution, wohnen möchte er hier aber nicht. Er genießt es, am Wochenende nicht jeden zu kennen, den er auf der Straße trifft.

Mehr als ein Kiosk: Für viele Kunden ist Michas Lädle ein Treffpunkt.
Mehr als ein Kiosk: Für viele Kunden ist Michas Lädle ein Treffpunkt.
Revier
Die Ecken ums Lädle sind Marley Revier.

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Marley wartet auf Kundschaft.
Marley wartet auf Kundschaft.
Kinderperspektive
Michas Lädle aus der Kinderperspektive

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Michas Lädle
Michael Schmidt
Weißenburgstraße 8
70180 Stuttgart
0711/ 608697

Michas Lädle auf Facebook (Leider nicht sehr aktiv)

Fotos (wenn nicht anders angegeben): Martin Zentner
Text: Eva Heer

Die Bagger sind da

12729293_1165371783475464_4814873549594388460_n Die Bagger sind da: Gemeinde- und Pfarrhaus sowie die Kindertagestätte der Mariengemeinde in der Fangelsbach-/Heusteigstraße werden abgerissen. Sankt Maria, die älteste Kirchengemeinde Stuttgarts, will aber an gleicher Stelle ein neues Familienzentrum bauen. (Ein bisschen Wehmut ist trotzdem dabei, hier bin ich in den Kindergarten gegangen …).


Artikel aus dem Jahr 2013 über den damals noch geplanten Abriss

Ein Stellplatz alleine macht noch nicht mobil

Liebe Immobilien-Milchmädchen,

danke für den Tipp, dass man für den Preis eines Stellplatzes (119 €) auch mit dem öffentlichen Nahverkehr durch die Stadt fahren kann.

Ein Stellplatz sorgt aber nur für Mobilität, wenn man auch was zum Stellen hat. Zum Beispiel ein Auto. Dann wird es halt doch ein bisschen teuerer als mit den Öffentlichen. Wen das nicht stört, der kann sich unter 0711 6679-230 erkundigen.

 


Hier das gesamte Plakat:

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Mittagstisch für Todesmutige

Dass die Geschmäcker gentrifizierter 70180er exotisch sind, war mir ja schon lange klar. Aber dass Kugelfische auf dem Mittagstisch landen, ist mir neu. Fugu, wie man ihn in Japan nennt, ist nur was für Todesmutige. Bereitet man ihn nicht korrekt zu, ist er das letzte, was man isst. Ob der Koch des Herbert’z ein ausgebildeter Fugu-Koch sei, konnte ich nicht herausfinden. Er war schon nicht mehr da. Hoffentlich war er nicht auf dem Weg ins Krankenhaus. Vielleicht war es auch eine ungiftige Zuchtvariante des Fisches oder einfach nur eine vegane Ersatzvariante aus Saitan und Tofu. Ich bin gespannt, ob es jemand gegessen hat und davon auch noch berichten kann.


Herbert’z auf Facebook

Klinikum Stuttgart

 

Feiern ohne Tiere

Ich könnte mich nur noch von Pflanzen ernähren. Unter einer Bedingung: Roman wäre mein Privatkoch. Ist er aber nicht. Er kocht im Super Jami in der Bopserstraße. Er und seine Partnerin Kathi haben das „Vegan-Deli“ vor einem Jahr gegründet und das wurde letzten Samstag gefeiert.

Der Laden ist voll. Aber das ist er eigentlich jeden Mittag. Kein Wunder, weil nicht nur Veganer dort essen, sondern auch eingefleischte Allesfresser. Warum? Weil es schmeckt. Alles ist frisch, keine fertigen Fleischersatzprodukte, die versuchen mittels Lebensmittelchemie so zu schmecken, als wäre ein Weber-Grill explodiert. Das Chili sin Carne schmeckt besser als die meisten hackfleischigen Varianten, die ich kenne.

Sehr angenehm: Niemand versucht mich hier mit erhobenen Zeigefinger zum Fleischverzicht zu bekehren. Hier ist das Essen das schlagende Argument.

Singer Songwriter Stumfol
Unterhält die Gäste beim Pflanzenessen: Singer Songwriter Stumfol

Zur Feier gibt’s heute Livemusik. Ansonsten lädt hier gerne mal Punk zum Pogotanzen ein. Den spielt Singer und Songwriter Stumfol heute aber nicht.

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Schmeckt auch ohne Tiere: veganer Miniburger

Serviert wird ein kleiner Querschnitt der Karte, die neben Frühstück, Sandwiches, Wraps, Snacks und Salaten auch ein täglich wechselndes Gericht bietet, welches mich immer wieder auf’s Neue überrascht.

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Super-Jami-Gast Putte schaut in den „Mal mich Kasten“.
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Anja Haas schaut raus und zeichnet.
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Das kommt dabei raus, wenn ich ins Loch schaue.

Ein überdimensionales Vogelhäuschen mit Goldlametta neben dem Eingang weckt meine Neugier. Ich schaue durchs Loch und ehe ich mich versehen kann, kommt ein Porträt aus einem Schlitz des sogenannten „Mal mich Kasten“. Drinnen sitzt die Illustratorin Anja Haas und zeichnet liebevoll jene, die sich vor den Kasten setzen.

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Seit einem Jahr an der Ecke Heusteig- und Bopserstraße: Super Jami

Besonders schön im Super Jami: Die Illustration von Wirtin Kathi, die die Wand zieren. Diese kann man auch in ihren Kochbüchern wie „Kochen ohne Tiere“ bewundern.

Leider hat Super Jami abends nur bis 20 Uhr geöffnet, aber irgendwann müssen die Jamis auch mal Pause haben.

SUPER JAMI
Bopserstraße 10
70180 Stuttgart

Öffnungszeiten: Mo.–Fr. 11.00–20.00 Uhr

info@super-jami.de
0711/32099749

super-jami.de

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Kathi Bretsch